Wir stellen vor: Sandra Leuthold-Vögeli, „Wilde Werkstatt“ in Neunkirch

Wir stellen vor: Sandra Leuthold-Vögeli, „Wilde Werkstatt“ in Neunkirch
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Interview mit Sandra Leuthold-Vögeli
Inhaberin der „Wilden Werkstatt“ in Neunkirch und immer mit wilder Naturbegeisterung unterwegs….

Kannst Du uns in ein paar Sätzen Deine «Wilde Werkstatt» vorstellen? Angebote, wie die Deinigen gibt es nicht so häufig – wie bist Du dazugekommen?

Die «Wilde Werkstatt» ist im Jahr 2010 als Projektarbeit während meiner Feuervogel-Ausbildung zur Naturpädagogin entstanden. Sie bildet sozusagen das Dach all meines naturbezogenen Tuns. Von der Waldspielgruppe über ein- bis mehrtägige Waldprojekte mit Schulklassen bis zu Firmen- und Vereinsveranstaltungen sowie Lehrerweiterbildungen für die Pädagogische Hochschule ist ein breiter Fächer und eine spannende Vielfältigkeit entstanden.

In den vielen Jahren, in denen ich als Waldspielgruppenleiterin bereits tätig bin, sind viele Ideen gewachsen, die sich beim Durchführen immer weiter ergänzen und verfeinern liessen. Eines meiner kulinarischen Highlights ist das Waldfondue mit der von den Teilnehmern eigens geschnitzten Fonduegabel. Ein nachhaltiges Walderlebnis von A bis Z.

Du hast mit der Waldspielgruppe „Schneckennest“ vor 20 Jahren begonnen – damals war dieses Angebot noch nicht so bekannt. Wie war  die Resonanz?  

Die Waldspielgruppe Schneckennest wird nächsten Sommer tatsächlich 20 Jahre alt. Begonnen hat jedoch mein Vorgänger Renato, mit dem ich bis 2014 zusammenarbeiten durfte und dessen Philosophie und Herzblut ich aus tiefster Überzeugung weitertrage. Da wir auf dem Land zu Hause sind, war die Hemmschwelle von Anfang an wohl etwas kleiner, die eigenen Kinder draussen in der Natur betreuen zu lassen. Kritische Stimmen hat es aber immer schon gegeben, deren Ursprung jedoch meistens innerhalb der eigenen, bequemen Komfortzone zu suchen ist.

Was erlebt man an einem typischen Waldmorgen bei Dir?

«Typisch Schneckennest» ist seit Beginn nicht der Waldmorgen, sondern der Waldnachmittage.

Wir sind mit den Kindern jahraus, jahrein zwei Mal die Woche von 14.00 bis 18.00 Uhr unterwegs. Zentral ist das Feuer. Das Brennholz suchen wir mit unseren Waldkindern seit 20 Jahren selber zusammen. Es ist uns noch nie ausgegangen. Neben einem Zvieri und Tee nehmen wir uns an jedem Waldnachmittag Zeit, unser Nachtessen selber zu kochen. Reispfanne, Raclette & Gschwellti, Kürbissuppe, Älpler Makkaroni, Pizzabrötli, Gemüse-Ebly … es gibt eigentlich nichts, was auf dem Feuer nicht geht. Dass uns beim Rüsten und Kochen die Kinder eine grosse Unterstützung sind ergibt sich fast von selbst. Wenn wir nicht am Feuer sind, singen wir und finden wir in der Natur immer etwas zu entdecken, werkeln oder zum Spielen. Das Programm schreibt uns die Natur, wir dürfen einfach in die 4 Jahreszeiten eintauchen und uns was Spannendes aussuchen.

Wie hältst Du die Kinder mehrere Stunden bei grosser Kälte bei Laune?

Mit all dem, was eben unser typischer Waldnachmittag ausmacht – mit Feuer, warmem Essen und Tee, mit unserem Feuertanz und den Wärmesteinen auf unserem Grill, mit 1000 Spielen, Seilen, Ausflügen und viel Bewegung! Keine Chance habe ich, wenn die Kinder nicht genügend warm angezogen sind – dann gilt es, auszuziehen und aufzurüsten. Wir haben immer Notreservekleider dabei.

Welchen heissen Tipp hast Du für die Winterbekleidung, was ist das A und O?

Warme Füsse!

Denn wenn die Füsse warm bleiben, hält sich auch der Rest warm. Dies gelingt mit den diversen Schichten. Wir machen uns beim «aufs Klo gehen» den Spass, all die vielen Schichten, die wir auseinander und danach wieder zusammensetzen, zu zählen. Zwei Schichten reichen da nicht. Es sind gut und gerne 5 bis 6 Schichten bevor ich den Bauch der Kinder finde. Die äusserste Hülle muss mindestens von den Zehenspitzen bis unter die Arme wasserdicht sein. Fussgelenke und Handgelenke können mit wollenen Stulpen zusätzlich vor Kälte geschützt werden.

Wie bleibt es spannend für Dich nach so vielen Jahren? Machst Du Weiterbildungen und wo holst Du Ideen?

Die Abwechslung ist riesig, die Menschen, mit denen ich arbeite sind spannend, Ideen kommen mir meistens während dem Arbeiten oder wenn ich alleine im Wald unterwegs bin.

Als ich im Jahr 2017 wegen Schulter- und Knie-OP aussetzen musste, setzte ich mich nochmals an die Schulbank, um den Erwachsenenbildner abzuschliessen. Als freie Mitarbeiterin der Rucksackschule in Zürich komme ich immer mal wieder über die «eigenen» Wälder hinaus und als kleines Ritual geniesse ich seit 5 Jahren den Austausch mit Gleichgesinnten am Waldforum St. Gallen.

Wie feierst Du das 20-jährige „Schneckennest“- Jubiläum?

Da bin ich noch unschlüssig. Ich bevorzuge den kleinen Rahmen.

Unser traditionelles Sommerwaldfest bietet da eine ideale Plattform, mit unseren Schneckennest-Familien darauf anzustossen. 

Welche Ideen hast Du für die nächsten 5 Jahre?

Das Feuer der Begeisterung bei vielen weiteren Menschen zu entfachen – mit neuen spannenden Waldtagen und lehrreichen Kursen.

Meine eigenen Kinderwerden langsam flügge und wahrscheinlich in den nächsten 5 Jahren unser Familiennest verlassen. Was danach kommt? … Ich lass mich überraschen =)

Das spannende Angebot von Sandra findet ihr auf: www.wilde-werkstatt.jimdo.com